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Jesus und Buddha: Vier Gemeinsamkeiten und vier Unterschiede | Sonntagsblatt - evangelisch auf ganzer Linie


In fast jedem Baumarkt und Geschenkartikel-Laden werden mittlerweile Buddha-Figuren verkauft, keineswegs aber Kreu­ze oder Jesus-Statuen. Zwar hat der Bud­dhismus als Religion hierzulande nur eine kleine Anhängerschaft. Aber die Ruhe aus­strahlende Gestalt des meditierenden Buddha fasziniert in unse­rer stressreichen Zeit doch viele Menschen.

Auch auf dem Sek­tor der Esoterik spielt der Buddhismus eine größere Rolle. Des­halb ist in unse­rem immer weniger christlich ge­prägten Kultur­raum ein Vergleich zwi­schen den Stifter­figu­ren Jesus und Bud­dha reizvoll. Welche Gemeinsam­kei­ten oder Ähn­lich­keiten bestehen zwi­schen Buddha und Jesus, und was sind die ent­sprechenden Unter­schie­de? 

1. Gemeinsamkeit: Religiöse Reformer

VIDEO: Buddhismus erklärt | Eine Religion in (fast) fünf Minuten
MrWissen2go

Eine Gemeinsamkeit teilten Siddhartha Gautama ("Buddha") und  Jesus von Nazareth: Beide konnten an eine religiöse Re­formbewegung an­knüpfen. Im Fernen Osten handelte es sich damals um eine Freiheitsbewegung, die sich von der Bevormundung durch das Brahmanentum abzuset­zen trachtete. Die Brahmanen besaßen das Opfermonopol, während andere Kasten in Sachen Reli­gion nichts zu sagen hatten.

Demgegenüber er­wies sich die neue Unabhängigkeitsbewe­gung als spiritueller Aufbruch: Tausende von zölibatär leben­den Bettelmönchen suchten ihr Heil durch Versen­kungs­übungen und Spekula­tionen zu erlangen. Einige bildeten schließ­lich Schulen. Einem solchen Schul­haupt, das für das Erlernen von Medita­tion und einer Art Yoga-Trance warb, unterstellte sich Siddhartha Gau­tama, später einem weiteren.

Jesus hatte sich bekanntlich Johannes dem Täufer ange­schlos­sen, der im Grunde mehr war als ein religiöser Reformer, nämlich ein radi­kaler apoka­lyptischer Pro­phet. Unter die Tau­sen­de, die sich von ihm aus Furcht vor dem Jüngsten Gericht zur Umkehr rufen und taufen lie­ßen, mischte sich auch Jesus, der später wohl selbst mit seinen Jün­gern tauf­te.

Der grundle­gende Unter­schied zwischen den beiden ge­nannten Be­wegungen be­stand darin, dass man im fernen Osten zu einer metho­dischen Suche nach authentischer Spi­ritualität und Erlösung aufgebro­chen war, während im nahen Osten der sich erbarmende Rich­ter-Gott als der Suchende verkündet wurde, der den Umkehr­willigen den Weg eines gna­den­haften Neuan­fangs ermöglichte.

2. Gemeinsamkeit: Asketen

VIDEO: BUDDHA und CHRISTUS - ein Vergleich
Schriften im Vergleich

Siddhartha Gautama und Jesus von Nazareth lebten beide ein gewisses Asketentum. Fast im gleichen Alter zogen sie in die Hauslosigkeit. Aber sie durchbrachen auch beide die rigo­rose Strenge des Asketen­tums – jeder auf seine Weise. Im Unter­schied zu Jesus war Gautama als be­hüte­ter und geförderter Fürstensohn aufge­wachsen. Mit 29 verließ er Frau und Kind, nachdem er im Zuge einiger Aus­fahrten viel Leid­volles er­blickt und emp­fun­den hatte, man könne nur als bindungsloser Asket zur Erlösung gelan­gen. Über fünf Jahrzehnte Jahre lang war er dann als Bettelmönch unter­wegs.

Schon früh lernte er das Kon­zept von Seelen­wan­de­rung und den Tatenfolgen des zeit­über­grei­fenden "Kar­ma" nä­her kennen. Nach jahrelanger Hun­ger­as­kese und extre­men Atem­übungen erkannte er: Sol­che Kastei­ungen können kein Weg zur Erlösung sein, weil der damit ver­bun­dene Fana­tismus der Hal­tung der Ablösung ent­gegenstehe. Nachdem er fortan weniger verkrampft meditierte, soll er – nach wie vor Asket – eines Tages jene "Er­­leuch­tung" erreicht haben, die ihn zum Bud­dha, zum "Er­wach­ten" werden ließ.

Jesus zog mit seinen Jüngern eben­falls mit einer ge­wis­sen As­kese-Haltung durchs Land. Aber seine Jünger bildeten kei­nen Mönchs­orden. Vom stren­gen Asketentum Johannes des Täu­fers setzte er sich ausdrücklich ab; ja er war mitunter als "Fresser und Wein­säufer" (Mat 11,19) ver­schrien. Der Grund lag in sei­ner mes­sia­nischen Verkün­di­gung des Got­tes­rei­ches, das er in sei­ner Per­son "nahe herbeige­kom­men" sah.

Hatte die Ein­däm­mung der Askese bei Gautama eher methodische Gründe, so war sie bei Jesus durch den In­halt seiner Heilsverkün­digung selbst ver­ursacht. Entspre­chend frei und human verhielt sich der "Sohn" Gottes in seiner Bin­dung an den Vater gegenüber rel­igiösen und sonstigen Gesetzen, wäh­rend der Bud­dha das Heil gerade im Aufspüren und Einhalten der die Wirklichkeit tra­genden Ge­setze erfuhr.

3. Gemeinsamkeit: Charismatiker

VIDEO: Jesus vs. Buddha
InspiringPhilosophy

Gautama wie Jesus waren charismatische Menschen, die bei wei­tem die Gren­zen normaler Wirklich­keitserfahrung transzen­dier­ten. Gleich­wohl reprä­sen­tie­ren sie unterschiedliche Ty­pen des ‚religiösen Genies’. Der Buddha steht religions­phäno­meno­lo­gisch primär für den Typus des Erkennenden, des mystischen Esoterikers: Er erstrebt und erlangt ein "direktes Er­schauen" jener Struktu­ren der Wirk­lichkeit, die den Men­schen ge­fan­gen halten­.

Kraft die­ser Erleuchtung weist er den Weg zur Erlö­sung. Nach Gustav Mensching bedeutet buddhisti­sche Erkenntnis als sol­che bereits "eine Seinsverwirklichung im Sub­jekt": Sie ver­nich­tet die durch­schauten Leidensur­sa­chen, und inso­fern kommt ihr Erlö­sungs­kraft zu, während in der "Unwis­senheit" die eigent­li­che Ursache allen Un­heils zu suchen wäre.

Jesus ähnelt vergleichsweise eher dem Typus des Magiers: Er besitzt die Kraft zur heil­vollen Ver­wand­lung von Wirk­lichkeits­struk­turen – ange­fangen bei seinen hei­lenden Wor­ten und Naturwundern bis hin zu sei­ner unvergleichlichen Auf­er­stehung. Und doch geht es bei Jesus, ge­nauer betrachtet, nicht etwa um Magie, sondern um ein besonderes Verhält­nis zum Schöpfergott, also um die Kraft seines Geistes, die Wirk­lich­keit dem von Anfang an vorge­sehenen Voll­endungsziel näher­zubrin­gen.

Der histori­sche Buddha hat keine Heilungs­wun­der voll­bracht, auch Magie abge­lehnt und im Übrigen für seine Person keine Exklu­sivität be­ansprucht. Jesus dagegen ist den Menschen als Hei­ler be­gegnet und hat als Person zumin­dest indi­rekt einen mes­siani­schen Exklu­sivanspruch erhoben. Der Neu­testa­ment­ler Gerd Thei­ßen unterstreicht:

"Als apoka­lypti­scher Wun­­der­cha­ris­ma­tiker steht Jesus singu­lär in der Reli­gionsge­schich­te."

4. Gemeinsamkeit: Passion

VIDEO: Buddhism and Jesus: a beautiful spiritual story
Dare to do. Motivation

Siddhartha Gautama und Jesus von Nazareth sind, jeweils auf ihre Weise, einen Passionsweg ge­gangen. Zu­nächst hatten es bei­de im engs­ten Schülerkreis mit einem Verräter zu tun, der ihren Tod an­streb­te. Der 80-jährige Buddha soll dem Tod allerdings mehrfach kraft seiner Ho­heit aus­ge­wichen sein. Gleichwohl ist es zumindest nicht ausgeschlossen, dass sein Tod – wohl um das Jahr 370 – ein Giftmord war; Heilsbe­deu­­tung wurde ihm jeden­falls nicht beigemessen. Das letzte Wort des Sterbenden galt ledig­lich der Abwehr von Trauer und da­mit von psychi­schem Leid bei seinen Schülern:

"Die Per­sön­lich­keits­be­stand­teile un­ter­lie­gen dem Gesetz des Ver­gehens; be­müht euch ange­strengt!"

Jesus in­dessen, ob­gleich bei seinem Tod fast 50 Jahre jünger, wich nach einigen Fluchtversuchen schließlich der Passion nicht mehr aus. Er ging bewusst in Solidarität mit der Ent­frem­dung der Men­schen seinen Lei­dens­weg kon­se­quent zu Ende. Auf die­ser Linie wurde sein Tod am Kreu­­zes­galgen nach der Auferste­hungser­fahrung von seinen Anhän­gern weiterinterpretiert, näm­­lich als zentrales Heilsereignis von mensch­­heitlicher, ja kosmi­scher Dimension. Die so unter­schied­lichen Lebens­ausgänge beider Män­ner stehen für völlig un­ter­schied­liche Biographien und Sinn­deutungen – vor allem auch, wenn man das fürs Chris­tentum wesent­li­che Oster­zeugnis mit berück­sichtigt.

1. Unterschied: Frage des Heils

VIDEO: Clip und klar! – Buddhismus: Weltreligion erklärt | Kindervideos | SRF Kids
SRF Kids

Was ihre Lehre angeht, so sahen sich Siddhartha und Jesus in ihrem Menschsein keines­wegs als allwis­send an. Aber sie nah­men beide entscheidendes Wissen in der Frage des Heils für sich in Anspruch. Von daher begründeten beide Meis­ter-Schüler-Verhält­nisse. In den Augen des Bud­dha war seine eigene Lehre allein heilsam. Er betrachtete sie als nur für "Ge­bildete" verständ­lich. Hin­ter ihr hatte die Bedeutung seiner Per­son zu ver­blas­sen, zumal auch andere Men­schen im Prinzip zur Buddha­schaft ge­lan­gen können.

Dagegen hat Jesus die Wahrheit pri­mär mit seiner Person und nur sekun­där mit seiner Lehre iden­tifi­ziert. Darauf deuten nicht allein ex­klusive Selbstaus­sagen wie in Mat 11,27 und Joh 14,6 hin, sondern sein Auftre­ten insge­samt, das zur Nachfolge in letzter, Gott selbst ge­mäßer Hingabe einlud. Des­halb gab es im Chris­tentum von Anfang an einen unver­kenn­ba­ren Abso­lut­heits­an­spruch – nicht für die Reli­gion als sol­che, sondern für den als "Gottes einzig gebore­nen Sohn" Ver­ehrten.

Weil Jesus im Unterschied zu Buddha nicht pri­mär Leh­rer von Sach­ver­hal­ten war, konnte er das Him­mel­reich den "geis­tig Armen" zuspre­chen. Zwar be­trach­teten sich beide Männer jeweils als auf­op­fernden "Sä­mann"; aber sie säten durchaus unter­schiedli­che Bot­schaf­ten im Kon­text diffe­renter Wirk­lich­keitsparadig­men aus. Das "rettende" Wissen des Buddha war ein den Men­schen grundsätzlich mög­liches. Dagegen ver­stand Jesus sein ent­schei­den­des Wis­sen, ja Selbst­be­wusst­sein, als Offen­­barung im Hori­zont einer heils-, ja end­geschichtli­chen Weltsicht.

2. Unterschied: Erlösung

VIDEO: Was ist Buddhismus? Einfach erklärt + Die vier edlen Wahrheiten
Schule der Inspiration

Für Gautama wie für Jesus stand die Erlösungsnot­wendig­keit des Men­schen fest. So kam es zu den beiden größten Er­lösungs­religionen der Welt – bei allerdings höchst unter­schiedlichen Er­lö­sungsvor­stel­lun­gen. Der "Buddha" lehnte einen per­sonalen Schöp­fer- und Erlöser­gott ab – nicht zu­letzt aus Gründen der seiner Über­zeugung nach unlösba­ren Theo­dizee-Fra­ge. Dem Kreislauf von Werden und Verge­hen zu ent­fliehen, bedeute Er­lösung, wobei jede Form von Fremd­erlösung ausgeschlossen sei. Der Weg zum Heil könne und müsse aus eige­ner Kraft ge­gan­gen werden.

Daher spricht Gustav Men­sching hier von einer Theorie der "Selbst­­erlö­sung" – wo­bei jedoch die eigent­liche Er­leuchtung keineswegs einfach in die Ver­fü­gungs­gewalt des noch nicht erlösten Selbsts fällt. Buddhis­tische Schu­len strei­ten bis heute um die schwieri­ge Frage nach dem zumin­dest ansatzweise erlö­sungs­mächtigen Selbst.

Jesus hingegen verstand Erlö­sung als Geschenk an das trotz aller Entfremdung von Gott bejahte Ge­schöpf. Heil be­deutet ihm zufolge die Begeg­nung mit der auf‑rich­tenden Liebe Got­tes, die als ganzheitlicher Freispruch von der Verurteilung im kom­men­den Endgericht er­fahren werden kann. Weder Selbst­er­lö­sung noch ein komplizier­ter Heils­pfad wird da gelehrt; viel­mehr kommt es auf die Haltung tiefster Dankbar­keit des Glau­benden an. Keine Lehre von Seelenwanderung und Karma er­tönt, son­dern der Heilandsruf:

"Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch er­quicken" (Mat 11,28).

3. Unterschied: Das Leiden der Menschheit

VIDEO: Jesus (isa) lebte und starb in Kaschmir - der Film - Doku Phoenix
TheWegweiser

Gautama und Jesus haben sich beide intensiv mit dem Leiden der Men­schen auseinander­ge­setzt. Buddhas "vier edle Wahr­heiten" dia­gnos­ti­zie­ren die Leidverfallenheit aller Ge­bore­nen und die Leidens­entste­hung im Begehren, um die Aufhebung des Leidens durch Aus­mer­zen allen Begehrens auf dem "achtfachen Pfad" zu lehren.

Sein oft abgebildetes Lächeln zeugt von inne­rer Erhabenheit über das Lei­den, von der Nirwana-Seligkeit un­berührba­ren Gleichmuts. Das Nirvana sei nicht nur anzustre­bender Endzustand, sondern schon mitten in der Welt erfahrbar; es bedeute kein absolutes Verlöschen, sondern das Ver­löschen allen Unheils und nachdenklichen Bemühens.

Jesus indessen hat das Leid nicht analy­siert, sondern ist in Solidari­tät mit den Leidenden sei­nen Passionsweg gegangen. Während der Buddha um der Leidensflucht willen alles irgend­wie mit Begehren ver­bundene Lieben und Leben negiert hat, hat Jesus sich in sorgender Liebe zu den körperlich oder sozial Lei­denden hin­ab­ gebeugt – weit entfernt davon, ihre Schmerzen etwa mit dem indivi­duellen Faktor spiritueller Unwissenheit in Verbindung zu brin­gen. Eine universale Be­frei­ung vom Leid hat er in der einst vollendeten, jetzt aber schon im heiligen Geist ein Stück weit erfahrbaren Wirklichkeit des Gottesreiches erwartet, statt Leid­frei­heit mit einer Art Weltlosigkeit gleichzusetzen.

4. Unterschied: Sterblichkeit

VIDEO: Vom BUDDHISMUS zu JESUS CHRISTUS | Ex-Buddhist packt aus...
seelenretter

Buddha und Jesus haben die Sterblichkeit des Menschen ernst ge­nommen, jedoch kei­neswegs so etwas wie eine "Ganztod"-These vertreten. In ganz unterschiedlicher Weise gingen sie von einer Kon­tinuität im Tod aus. Buddha lehrte das "Nicht-Selbst"; indivi­duelle Seelenun­sterb­lich­keit negierte er. Die Psy­che sah er als zusammen­ge­setzt und daher ver­gäng­lich an.

Aber in sei­nem Er­leuch­tungs­erlebnis hat­te er ja anscheinend auf all seine früheren Rein­karna­tionen zu­rück­geblickt; also ging er doch von so etwas wie einer inneren Kontinuität aus. Dem­nach greift seine Er­klärung zu kurz, dieses Kon­­­tinuum zwischen den Exis­tenzen be­schränke sich gewis­ser­ma­ßen auf ein wan­derndes Energiepotenzial – vergleichbar der Ener­gie­wei­tergabe zwi­schen einander weiter­sto­ßenden Wür­feln.

Jesus glaubte an die Unsterblichkeit der Seele (Mat 10,28) und die Auferweckung der Toten. Das Ver­trau­en auf den Schöp­fer und Vollender ermöglich­te ihm eine ent­schieden posi­tive Per­spek­tive: "Für Gott sind alle Toten leben­dig" (Luk 20, 38). Der Tod ist dem­nach allenfalls vorläufiger Sieger. Jesus steht für die große Be­jahung von Leben und Welt, für die opti­misti­sche Hoff­nung auf die Voll­en­dung alles Sei­enden durch den Schöpfer. In schar­fem Kontrast hebt sich diese Hoffnung ab von Buddhas An­peilen der Auf­hebung alles Seienden in ein zeitloses und sub­jektloses, wenn auch wonnevolles "Jen­seits".

Fazit

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Gautama und Jesus von Nazareth ähneln einan­der nur in einigen Umrissen. Bei näherer Betrachtung wird schnell deutlich, dass beide ganz unterschiedliche religiöse Konzepte vertreten haben. Mit dem Reli­gionswissen­schaftler Hans Wolfgang Schu­mann ge­sprochen:

"Buddhismus und Christentum … sind grund­sätzlich unvereinbar."

Wer dennoch beide auf einen gemein­sa­men Nen­ner bringen will, beweist nicht etwa besonde­ren Tiefblick; vielmehr lässt seine Oberfläch­lich­keit tief bli­cken. Jesus und Buddha sind gleichsam wie Feuer und Wasser – wobei freilich so­wohl Feuer als auch Wasser Sauer­stoff enthalten.

Beide Män­ner zeugen von kraft­voller Spiri­tualität, ohne die sich keine der beiden zu Weltreli­gionen ent­wickelt hätte. Aber schon ihre Sym­bolik weist in ganz un­ter­schiedliche Richtun­gen: Reich Gottes und Nirvana, Kreuz und Rad meinen eben keineswegs dasselbe.

Gerade in unserer Zeit eines reli­giö­sen Plu­ra­lismus sollte die Tole­ranz groß genug sein, um be­ste­hende Unter­schiede wahr­zu­nehmen, statt sie zu über­spie­len und in letztlich intel­lektuell unredlicher Manier klein­zu­reden.  Eine Chance zum Gespräch, zur Vermittlung könnte allenfalls darin lie­gen, dass Buddhisten das letzte Geheimnis der Wirklichkeit als Myste­rium zu wahren ge­neigt sind, während Chris­ten bean­spruchen, von jenem Geist berührt zu sein, der sogar die Tiefen der Gott­heit erforscht (1. Kor 2,10ff).

 

     Schon Friedrich Nietzsche hat diesen Reiz gespürt und ihm nachgegeben (vgl. z.B.: Der Antichrist, in: Kritische Studienausgabe, hg. von G. Colli und M. Montinari, Bd. 6, 165-254, bes. 202). Bei Hermann Hesse (Sid­dhar­tha. Eine indische Dich­tung, 1922) be­gegnet eine "christianisierte" Figur.

   Ausführlicher: Werner Thiede: Die Wahrheit ist exklusiv. Gesammelte Aufsätze zum interre­ligiö­sen Dialog (2022).

     So Gustav Mensching: Buddha und Christus (1978, neu hg. von U. Two­ruschka, Frei­burg i.Br. 2001), 172.

     Vgl. Werner Thiede: Heilungswunder in der Sicht neuerer Dogmatik, in: Zeitschrift für Theo­logie und Kirche 100 (2003), 90-117.

     Rainer Riesner: Messias Jesus. Seine Geschichte, seine Botschaft und ihrer Überlieferung, Gießen 20212; Martin Hen­gel/Anna M. Schwemer: Der mes­sianische Anspruch Jesu und die Anfänge der Christologie, Tübin­gen 2001.

     Gerd Theißen: Urchristliche Wundergeschichten, Gütersloh 1974, 274.

    Vgl. Werner Thiede: Wer ist der kosmische Christus? Karriere und Bedeu­tungswandel einer modernen Metapher, Göttingen 2001.

     Dazu Werner Thiede: Der gekreuzigte Sinn. Eine trini­tarische Theodizee,  Gütersloh 2007 (Übersetzung ins Spanische 2008).

     Vgl. Mensching: Buddha, 164ff.

   Vgl. Werner Thiede: Auferstehung der Toten – Hoffnung ohne Attraktivi­tät?, Göt­tingen 1991; ders.: Unsterblichkeit der Seele, a.a.O. 20222.

   Hans Wolfgang Schumann (Interview): Wenn Eisenvögel fliegen, in: Der Spiegel 16/1998, 122-126, hier 122.

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Author: Stephen Thomas

Last Updated: 1703455322

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Name: Stephen Thomas

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Job: Drone Pilot

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